Historie

Die Wakenitz

  • Erinnerungen über das Wassersportrevier
  • Von den Anfängen des Wassersports
  • auf der Wakenitz und dem Ratzeburger See
  • sowie die Erinnerung der Nachkriegszeit auf der Ost- und Westseite des Gebietes

Der Ratzeburger See, die Wakenitz, die Wochenendsiedlungen die Wassersportler an der Wakenitz bis ca. 1947, sowie Regatten und Bootshäuser.
Der Ratzeburger See

Er ist ein Zungenbecken eines Gletschers, der hier vor ca. 10000 Jahren, in der letzten Eiszeit lag. In der Zeit lief das Schmelzwasser in der Elbe. Seinen Namen bekam der See und die Stadt vom Poladenfürst „Ratibor“ (genannt Rat’se), der residierte auf einer Ringburg, die auf der Insel im Ratzeburger See stand, auf „Rat’ses Burg“ später Ratzeburg.

Die Wakenitz und der nördliche Teil des Ratzeburger Sees

Die Wakenitz beginnt am Ratzeburger See, und somit wird diese Beschreibung auch dort anfangen. Durch das Privilegium des Kaisers Friedrich I. vom 19. September 1188 war der Stadt Lübeck das Hoheitsrecht über den Ratzeburger See verliehen worden. König Waldemar II. bestätigte dieses Privilegium durch eine Urkunde vom 7. Dezember 1204. Dieses Recht ging aber offenbar wieder verloren, denn 1274 verfügte der Herzog von Sachsen frei über dessen Erträge, denn am 8. Juli 1274 verpfändete er den Nordteil des Ratzeburger Sees, der zur Grafschaft Ratzeburg gehörte, an den Lübecker Bürger Bertram Mornwech laut Urkunde für ein Fisch- und Aalwehr im Ratzeburger See mit allen Eigentums- und Nutzungsrechten für 280.— Marklübeckische Pfennige. Das Hoheitsrecht blieb aber beim Herzogtum Laubenburg. Damals stand hier eine herzögliche „Fischerboda“, die „Were“ (Wehr am Wehr), dann hieß es „Dat ole rode Hus“ heute Rothenhusen. Lübeck brauchte das Wasser dieses Sees zur Betreibung seiner Mühlen am Hüxterdamrn. Die Stauhöhe wurde schon 1226 und 1231, bei Anlegung der Mühlen an der Wakenitz, mit dem Herzog von Sachsen festgelegt. Die Lübecker bauten hier ein Wach- und Zollhaus. Sie legten einen Schlagbaum in die Wakenitz, denn dieser sollte das Zoll- und Stapelrecht der Lübecker bei Rothenhusen wahren. 15983 zerstörte der Stadthauptmann von Ratzeburg den Schlagbaum und 1595 wurde die gerade neu gebaute Zugbrücke bei Rothenhusen durch den „Lauenburgischen Herzog“ gewaltsam aufgebrochen. Zu dieser Zeit war Rothenhusen noch keine Insel, es war ein Teil Mecklenburgs. Daraufhin ließ der Lübecker Rat im See auf Pfählen und Feldsteinen ein Fundament für ein Blockhaus errichten. Drei Geschütze wurden dort aufgestellt. 1810 wurden die Geschütze entfernt und die Sandsteinplatte mit dem lübschen Adler, die am Blockhaus angebracht war, in die Wand des Zollhauses eingesetzt. Einige Jahrhunderte befuhren die Böter von Ratzeburg mit ihren fast 40 to fassenden Kähnen die Wakenitz und en Ratzeburger See. Nur Ratzeburger durften eigene Kähne haben. Gebaut wurden diese auf der sogenannten Schipstede am Palmenberg in Ratzeburg. Der Seglerverein Wakenitz wurde auf dem Grundstück einer Ziegelei gebaut; nach 1877 waren es ca. 2300 Tonnen Ziegelsteine die hier von den Bötern nach Ratzeburg transportiert wurden. Das Böterquartier war in Lübeck in der Hüxstr. Nr. 40 bei Jakob Bendfeld. Die heutige Fahrrinne bei Rothenhusen wurde 1646 gemeinsam von den Lauenburger Herzögen und dem Lübeckischen Senat beschlossen und fertiggestellt. Die Fahrrinne nannte man „Den Möven- oder neuen Graben.“ Hierdurch bekam der See einen besseren Abfluss, denn der alte, die wahre Wakenitz, baute zu oft bei Südwestwind eine Sandbarre auf, und diese verhinderte den Abfluss des Sees in die Wakenitz. Dadurch standen in Ratzeburg oftmals einige Häuser im Wasser und die Böter konnten mit ihren beladenen Kähnen nicht in die Wakenitz hineinfahren. Der Fluss ist 14,9 Km lang und ist der einzige Abfluss des Schal- und Ratzeburger Sees. Die Wakenitz hat ein Gefälle von 5,3 cm auf den Kilometer. Das 1861 erworbene Staurecht war +4,60 m über NN. 1827 wurde die Stauhöhe reduziert auf 4,19 m über NN. 1873 verzichtete Lübeck auf das erworbene Staurecht und reduzierte den Pegelstand vom 1.10. bis 30.4. auf + 3,56 m über NN und vom 1.5. bis 30.9. auf + 3,42 m über NN. Die Wakenitz heißt auf slawisch „Barschfluss“.
Schon 1630 befuhren Lustboote der Herzöge den Ratzeburger See, und 1868 fuhr die „Graf Bismarck“, ein 300 Personen fassendes Schiff auf dem See. 1876 wurde das Herzogtum Lauenburg für immer mit dem Preußischen Staat vereint.
1884 war die erste Wettfahrt einiger Segeljachten auf dem Ratzeburger See. Das Wettfahrtbüro war in der Gaststätte Nädlershorst. Damals gab es noch keine Brücken von hier bis zum Ratzeburger See.. 1892 gab Lübeck seine Rechte über den Nordteil des Sees auf. Preußen zwang Lübeck dazu. 1925 war die erste Ratzeburger Woche. 1927 wurde die Brücke bei Nädlershorst über die Wakenitz gebaut. Hier war vorher eine Wagen- und Personenfähre. Die Segler mussten nun hier und später in Rothenhusen die Masten legen.
1928 war auch die Brücke bei Rothenhusen fertiggestellt. Dadurch entfiel für den Wirt der Fährdienst Rothenhusen für die Personenfähre.
Nach den Erzählungen der Altvorderen begann 1913 der Wochenendhäuschenbau an der Wakenitz in Seenähe. Mehrere Sommerhaussiedlungen entstanden. Es waren 1945 ca. 250 Häuschen an beiden Seiten des Flusses.
Zu erwähnen wäre noch folgendes: Durch das „Gesetz über Groß — Hamburg und andere Gebietsbereinigungen vom 26.1.1937″ wurde das Land Lübeck aufgelöst und dem Land Preußen zugeschlagen. Alle bis dahin noch nicht in die Stadt Lübeck eingemeindeten Dörfer des Landes Lübeck fielen an die umliegenden Landkreise. Die Lübeckischen Dörfer Schattin und Utecht, und mit ihnen Rothenhusen, an das Land Mecklenburg. Die Lübecker hatten selbst diese beiden Dörfer immer als Enklaven bezeichnet, obwohl sie über den zu Lübeck gehörenden Gebietsstreifen der Wakenitz unmittelbar mit dem Hauptgebiet verbunden waren. Jedenfalls waren die beiden Dörfer einschließlich Rothenhusen 1937 für Lübeck verloren. 1945 kamen diese Dörfer, wie ganz Mecklenburg, zur sowjetisch besetzten Zone und danach zur Deutschen Demokratischen Republik. Dass das Fährhaus, welches ja im Grenzgebiet lag, dennoch überlebt hat, liegt an der aufgrund des „Groß — Hamburger — Gesetzes“ ergangenen Verordnung über die Änderung der preu ßisch-mecklenburgischen Landesgrenze an der Wakenitz“ vom 1.März 1941. Die Flurstücke des Fährhauses Rothenhusen mit den dort befindlichen Flurstücken der Wakenitz wurden aus der mecklenburgischen Gemeinde Utecht herausgelöst und der preußischen Gemeinde Groß Sarau (staatsrechtlich) zugeteilt; gleichzeitig gingen diese Flurstücke (privatrechtlich) in das Eigentum der Hansestadt Lübeck über.

Das Fährhaus Rothenhusen

Das Fährhaus entstand aus dem Wach- und Zollhaus. Der Wirt war immer Fährmann. Fast 400 Jahre bewirtschaftete die Familie Krüger das Fährhaus, danach , kam Dechau, der ließ die Bäume auf der Seeseite pflanzen. Als er starb, hast einige Jahre „Mutter Dechau“. wie sie genannt wurde, das Fährhaus geführt. 1930 wurde Johannes Berkentin der Wirt. Die Wirte hatten auf der Ostseite, direkt an der Wakenitz in der Enklave Utecht, die zu Lübeck gehörte, einen ca. 50 Meter breiten Wiesenstreifen gepachtet. Hierauf stand in Brückennähe ein hölzerner Kuhstall für ihre Kuh. Der stammte noch aus der Zeit als hier ein alter „Kohlhof“, eine Gärtnerei war. Die Milch verkauften sie an die Leute der „Seglerkolonie“. Bevor die Brücke gebaut wurde, konnte man nur über einen Feldweg nach Rothenhusen gelangen. Dieser verlieg schräge über die Feuchtwiesen, auf der heute die Wochenendhäuser bei Rothenhusen stehen, genau so weiter durch das kleine Waldstückchen und mündete beim Ziegelhorster Weg in die Ratzeburger Landstraße. An diesem Weg, kurz vor der Insel, standen später zwei Wochenendhäuser.
Bei der Fähre lag ein Stahlseil im Wasser, abends fragte der Wirt Dechau: „Sind alle bin`n?“ Wenn ja, setzte er das Seil stramm durch und versperrte so die Wakenitz. So mancher Segler, der nachts noch einlaufen wollte, ist dagegen gefahren. Wenn einige Segler mit dem „Suffkopp“, wie Werner Heuer erzählte, mit dem Fährkahn auf den See gefahren waren, konnte keiner mehr übersetzen.
Die jungen Segler, die kein Wochenendhaus hatten, und deren Jolle bei schlechtem Wetter nicht zum Schlafen geeignet war, schliefen beim Wirt auf dem Stallboden. Heute ist es der Sanitärtrakt. Der Heubodenbelag bestand aus Schleten, und weil diese Tannenstangen nicht fest lagen, ist so mancher Segler da hindurch getreten und saß dann rittlings auf den Stangen, so dass den darunter stehenden die Beine vor dem Gesicht baumelten.
Auf der Insel wurde in den 20er Jahren nach Trinkwasser gebohrt. Als man aus einer Tiefe von 20 Metern noch kein brauchbares Wasser gefunden hatte, wurde mit einem größeren Bohrgerät bis ca. 100 Meter Tiefe gebohrt und es wurde keine wasserführende Ader gefunden. Daraufhin setzte man einen Dreipfahldalben in den See und pumpte von hier das Seewasser in eine Filteranlage, die im Stallgebäude bei der Gaststätte stand. Vorher wurde das Wasser aus der Wakenitz mit Eimern geholt. Erst 1987 wurde die Insel an das öffentliche Kanalisationsnetz und die Trinkwasserleitung angeschlossen. Vorher wurden die Fäkalien in den Feuchtwiesen eingegraben, danach liefen sie in ein Betonbecken, das beim Bau des Jugendheimes 1955 erstellt wurde.
Nach Berkentin übernahm Ginne Westphal das Fährhaus. In den 70er Jahren übernahm Pietro Basteri es. Er verlängerte die Veranda und machte aus dem Fährhaus ein gutes Ausflugslokal. Seit 1950 war es kein Seglertreffpunkt mehr, weil die Vereine am Schanzenberg ihre Stützpunkte aufbauten.

Utecht

In der Rothenhusener Bucht liegt Utecht, früher eine Enklave Lübecks. Dort stand direkt am Ratzeburger See die Strandhalle bei der Sommerwirtschaft und Pension „Zur Mühle“. Das war früher eine mit Wasser getriebene Getreidemühle. Diese gehörte zum Bauern Klempau. Bei der Mühle waren auch die Mühlenteiche. Neben der Mühle stand damals auch noch das Backhaus. Die Fundamente und das eiserne Mühlenrad, welches heute nur ein wenig aus dem Erdreich herausschaut, konnten wir gleich nach der Grenzbeseitigung 1990 dort sehen. Ende der 40er Jahre war die Mühle schon nicht mehr funktionstüchtig. In der Zeit wurde sie durch ein Feuer zerstört. Das Backhaus und die Strandhalle wurden 1962 im Zuge der Grenzbefestigung abgerissen. Bis dahin hatte der Wirt Klempau dort noch gewohnt. Natürlich wurde die Seebrücke vor der Strandhalle auch beseitigt. Viele Wassersportler sind hier eingekehrt. Die Fahrgastschiffe von Bogaske und Rotsch legten hier fahrplanmäßig an und brachten Ausflügler zur Strandhalle.

Campow

Dieses entzückend, hoch oben auf einer Anhöhe gelegene Dorf ist weithin über die Grenzen Lübecks bekannt. In Campow war Möllers Restaurant und Pension zum „Seegarten“ Seine Seebrücke wurde von Bogaskes und Rotsch’s Fahrgastschiffen angesteuert. Sie brachten viele Gäste hierher. Es gab auch noch das Restaurant und Pension „Zur schönen Aussicht“ und die Pension „Henriettenruh“ Es soll hier in den 20er Jahren ein regen Strandbetrieb geherrscht haben, sogar einige Strandkörbe sollen vorhanden gewesen sein(dieses schrieb 1926 E. Evers in den Lübeckischen Anzeigen. In Campow bestanden von 1939 bis 1945 hinein sechs Gaststätten und Pensionen.

Doch diese Herrlichkeit war nach der Kapitulation im Mai 1945 vorbei.

Denn schon im September 1944 wurde die Demarkationslinie zwischen den künftigen Besatzungszonen der Westmächte und der Sowjetunion festgelegt. Auf diese Demarkationslinie• zogen sich am 1. Juli 1945 die im Rahmen der Kriegshandlungen weiter nach Osten vorgestoßenen Truppen der Westlichen Alliierten zurück. Ab dieser Zeit herrschten die Russen hier in dem Grenzgebiet.
Als man 1948 auf der Wakenitz zum Ratzeburger See fahren durfte, waren es Russen, die auf der Ostseite der Wakenitz die Grenze bewachten.
Erst im Dezember 1955 übertrug die Sowjetische Besatzungsmacht der „Deutschen Grenzpolizei“ die alleinige Bewachung und Kontrolle der Demarkationslinie, die seither im kommunistischen Sprachgebrauch „Staatsgrenze West“ genannt wurde.

„Aktion Kornblume”

Die Vertreiber kamen mit 50 Lastwagen am 3. Oktober 1961. Doch noch leeren Lastwagen hatten an diesem Morgen einen gemeinsamen Weg. Pünktlich um sechs Uhr morgens wurde der Angriff auf die „Staatsfeinde“ gestartet. Eine Funktionärsgruppe der Volkspolizei und der Dorfsheriff, diese Saubermänner nahmen mit dem Gongschlag 6.00 Uhr ihre Arbeit übergründlich auf. Opfer dieser „Aktion Kornblume“ wurden alle die im späteren 500 Meter breiten Grenzgebiet wohnten. Dabei wurde auch so mancher Bauer, der sich nicht richtungstreu verhielt, gleich mitevakuiert.
Nach dieser Aktion verschwand auf der Ostseite der Wakenitz ein Horst nach dem anderen und auf dem Ratzeburger See lag zwischen Campow und Hoheleuchte, direkt vor dem Grenzgraben, eine große gelbe Grenztonne.

Die Seglerkolonne „Neu Rothenhusen“ am Ratzeburger See

Ca. 1915 begann die Bautätigkeit der Wassersportler an der Wakenitz. Die Parzellen dieser Seglerkolonie wurden von Utechter Bauern gepachtet. Die Pacht für so eine Parzelle war 1926 pro Jahr zwischen 4 und 7 Mark. Werner Heuer Jun. pachtete 1928 ein 1750 qm großes Stück vom Bauern Thondorf. Dieses Dreieck war,
durch den Straßenbau von Thondorfs Wiese abgetrennt worden. Über die neue 1928 gebaute Wakenitzbrücke bekam Lübecks Enklave Utecht auch eine direkte Busverbindung nach Lübeck. Es wurde für die Seglerkolonie eine Bushaltestelle eingereicht. Die 35 Parzellen umfassende Siedlung soll innerhalb von 3 Jahren belegt worden sein. Die LSV-Jugend bekam dicht an der Wakenitz ein Jugendhaus. Hier bauten auch noch die LSVer auf der Kuhwiese ihr Häuschen. Sie pachtete die Parzellen vom Rothenhusener Wirt Dechau. Der Ratzeburger See oder die Wakenitz lieferten in den ersten Jahren das Trinkwasser. Als das Fährhaus Rothenhusen eine Seewasserfilteranlage bekamen, konnten die Wassersportler das Trinkwasser aus einem Wasserhahn holen, der außen am Stallgebäude angebracht war. Alle Häuschen hatten goldene Eimer und die Fäkalien mussten laufend in Löchern, die in den Wiesen und dem Brook gegraben wurden, entsorgt werden. Licht spendeten Petroleumlampen. Aber wer braucht im Sommer schon eine Lampe? Für Kleinrundfunkempfänger benutzte man eine 6 Volt Autobatterie, aber auch nur gut betuchte Leute konnten sich so ein Gerät leisten. Gekocht wurde meistens auf Petroleumkocher, einige hatten kleine Herde aufgestellt, denn bei schlechtem Wetter hier draußen war es schon nötig, für eine warme Bude zu sorgen. So mancher Segler, der patschnass vom Regatta zurückkam, benötigte Wärme. Auch diese Häuser wurden in den ersten Nachkriegsjahren von den Arbeitbrigaden der Volkspolizei n d den dort im Grenzgebiet noch wohnenden Bewohnern abgerissen, und als Hühnerstall oder Schuppen in den Ostdörfern wieder aufgebaut.

Die Wochenendsiedlung Rothenhusen auf der Westseite der Wakenitz liegt
Paul Eulers schrieb 1961 über diese Siedlung folgendes:

Wie entstand unsere Kolonie „Feriengemeinschaft.  der Lübecker Wassersportler e.V. von Rothenhusen West“. ‚Bis 1921 standen am Westufer der Wakenitz ca. 12 Wochenendhäuser vom Seglerclub Hansa. Der Fahrweg nach Rothenhusen zweigte damals ca. 1 km südlich der heutigen Chaussee ab und ging quer über die Wiesen. Nach Fertigstellung der Straße und Brücke nach Utecht, (1928) wurde dieser Fahrweg aufgehoben und von der Brücke abzweigend ans Ufer der Wakenitz verlegt Durch diese Regelung mussten die Wochenendhäuser natürlich das Gelände räumen. Dadurch entstand einmal die Siedlung „Reiherstieg“ am Ostufer der Wakenitz südlich von Ziegelhorst (heute Ostzone). Der Umzug ging so vonstatten, dass die Wochenendhäuser (damals waren es noch kleine Holzbuden) auf eine Schute gerollt und am Reiherstieg wieder an Land gebracht wurden. Die Eigner der drei Buden (Ross, Stüwe, Eulers und Passau zogen es vor, sich vom Vorgänger des alten Videl einen Uferstreifen auf der Wiese am See zu pachten. Der Pachtpreis war RM 12,– (für jede Bude RM 4,–). Diese drei Plätze sind heute von den Sportfreuden Eulers, Hanke/Dopp und Lehmann besiedelt. Die Buden waren damals natürlich keine so großen „Wochenendvillen“ wie heute, sondern im Schnitt 2 1/2  x 2 m klein.
Zweckentfremdet wurde dann Ostern 1945 die inzwischen auf 7 Häuser angewachsene Kolonie. Sie wurde vom Ortsbauernführer für Flüchtlinge aus Stettin beschlagnahmt. Sämtliches Inventar (Betten, Geschirr usw.) musste drin gelassen werden. Sogar englische Soldaten waren kurze Zeit in meinem und Stüwes Haus. Die wurden dann später in Rothenhusen untergebracht. Der Wirt Johannes Bet.‘ kenthin mit Familie dafür ausquartiert ins Wochenendhaus von Molt (heute Schweder). Auch die Wasserschutzpolizei und der Bundesgrenzschutz waren vorübergehend in unseren Häusern einquartiert. Ja, so hat unsere Kolonie schon allerhand turbulente Zeiten erlebt.